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Hafenfähren auf der Elbe in Hamburg, dahinter die Elbphilharmonie und der Hafen

Erlebnisse

Auf dem Wasser: Bootsfahrten, die einen Vormittag wert sind

Von den Hamburger Hafenfähren über den Stockholmer Schärengarten bis zum Tejo: Bootsfahrten, die den Blick auf einen Ort verändern, und wie Sie die richtigen auswählen.

5 Min. Lesezeit24. Oktober 2026

Jede Hafenstadt hat ein zweites Gesicht, und es zeigt sich nur vom Wasser aus. Die Silhouette fügt sich zu einer einzigen Linie, die alten Speicher verraten, warum sie genau dort stehen, wo man sie gebaut hat, und eine Küste, die von der Promenade aus voll wirkte, verwandelt sich in Klippen, Buchten und Pinien. Eine Bootsfahrt muss nicht den ganzen Tag dauern. Oft sind die schönsten nach weniger als einer Stunde vorbei und verlangen Ihnen nicht mehr ab als einen Vormittag.

Warum das Wasser die Reise verändert

Vom Deck aus erschließt sich eine Stadt auf neue Weise. Häfen waren der Grund, warum viele europäische Städte überhaupt erst wuchsen, und ihre Kirchen, Zollhäuser und Kaufmannshäuser blicken aufs Wasser, weil dort einst die Reisenden ankamen. Mit dem Boot nehmen Sie wieder genau diesen Platz ein und lesen die Schichten eines Ortes in der Reihenfolge, in der sie entstanden sind.

Dazu kommt die schlichte Freude am Langsamerwerden. Auf einem Boot lässt sich nichts beschleunigen. Der Motor gibt das Tempo vor, der Wind nimmt einem warmen Tag die Schärfe, und eine halbe Stunde lang muss niemand auf eine Karte schauen. Auf einer Kurzreise ist diese Pause oft der Moment, in dem die Reise ihren Rhythmus findet.

Eine Pendlerfähre überquert zur goldenen Stunde einen breiten Fluss in Richtung einer hügeligen Stadt mit hellen HäusernAI generated
Eine Pendlerfähre überquert zur goldenen Stunde einen breiten Fluss in Richtung einer hügeligen Stadt mit hellen Häusern

Stadthäfen mit dem Nahverkehrsticket

Einige der schönsten Bootsfahrten Europas sind schlicht öffentlicher Nahverkehr. In Hamburg gehören die Hafenfähren zum städtischen Verkehrsnetz, ein normales Ticket reicht also aus. Die Linie 62 legt an den St. Pauli ab und fährt elbabwärts nach Westen, vorbei an den Werftdocks, der Fischauktionshalle und dem Museumshafen Övelgönne, bevor sie nach Finkenwerder übersetzt. Steigen Sie in Övelgönne aus, gehen Sie zum Sandstrand an der Elbe und durch die alte Siedlung dahinter, und nehmen Sie später ein Boot zurück.

In Lissabon überquert die Pendlerfähre von Cais do Sodré nach Cacilhas den Tejo in etwa zehn Minuten. Hier fährt kein Ausflugsschiff, sondern ein Alltagsboot voller Menschen, die ihren Tag erledigen, und gerade das macht seinen Reiz aus. Vom Deck aus sehen Sie die Stadt in hellen Terrassen über dem Fluss aufsteigen. Am Südufer liegt nahe dem Fähranleger die Fregatte Dom Fernando II e Glória in einem Trockendock, im 19. Jahrhundert vom Stapel gelaufen und heute ein Museumsschiff. Ein kurzer Spaziergang am Ufer entlang eröffnet dann einen der weitesten Blicke auf Lissabon, die es überhaupt gibt.

Inselboote im Stockholmer Schärengarten

Stockholm ist auf Inseln gebaut, und sein reicht weit hinaus in die Ostsee. Die öffentlichen Waxholm-Boote, Teil des regionalen Nahverkehrs, legen am Strömkajen im Stadtzentrum ab und halten an kleinen Stegen, an denen Inselbewohner mit Einkaufstaschen und Fahrrädern warten. Schon die Fahrt nach Vaxholm zeigt, wie die Stadt allmählich Granit, Kiefern und roten Holzhäusern weicht.

Wenn die Zeit knapp ist, bietet sich Fjäderholmarna an, die nächstgelegene Inselgruppe, rund 25 Minuten mit dem Boot von Slussen oder Nybroplan entfernt. Die Boote verkehren vor allem in den wärmeren Monaten, vom späten Frühjahr bis zum Frühherbst. Die Inseln sind klein genug, um sie in aller Ruhe zu erkunden, mit glatten Felsen, auf denen Sie in der Sonne sitzen, und weiten Blicken zurück zur Stadt.

Küsten und Buchten: Mallorca und Málaga

Auf Mallorca zeigt sich die Küste oft dort von ihrer schönsten Seite, wo keine Straße hinführt. Von Port de Sóller fahren Boote an den Klippen der Tramuntana entlang nach Sa Calobra, wo die Schlucht des auf das Meer trifft, und der Blick auf senkrechte Felswände, Meereshöhlen und alte Wachtürme ist der eigentliche Sinn der Fahrt. Im Süden setzen Boote von Colònia de Sant Jordi nach Cabrera über, einem kleinen Archipel, der 1991 zum Nationalpark erklärt wurde. Nur zugelassene Boote dürfen dort anlegen, und die Zahl der Besucher pro Tag ist begrenzt, was die Inseln herrlich ruhig hält. Viele Fahrten verbinden den Ausflug mit einem Bad an der Blauen Grotte, wenn das Meer es zulässt.

In Málaga legen Segelboote und Katamarane im Hafen neben dem Muelle Uno ab. Draußen in der Bucht ordnet sich die Stadt wie von selbst: der Strand der Malagueta, die Kathedrale, die Burg Gibralfaro auf ihrem Hügel. Fahrten zum Sonnenuntergang sind beliebt, doch ein Törn am Morgen an einem ruhigen Tag hat seinen ganz eigenen Reiz, mit klarem Licht auf den Bergen hinter der Stadt und noch glattem Wasser. Manchmal zeigen sich Delfine in der Bucht, eine schöne Zugabe, wann immer sie auftauchen.

Eine Bootsfahrt muss nicht den ganzen Tag dauern. Oft sind die schönsten nach weniger als einer Stunde vorbei.

Ruhige Morgenstunden und seefeste Beine

An vielen Küsten ist der Morgen die ruhigste Zeit des Tages. Erwärmt sich das Land, frischt am Nachmittag oft ein auf und bringt lebhafteren Seegang mit. Wenn Sie nicht sicher sind, wie seefest Sie sind, wählen Sie eine frühe Abfahrt und lieber ein größeres Boot als ein kleines, schnelles.

Ein paar Gewohnheiten helfen. Setzen Sie sich in die Mitte des Boots, wo die Bewegung am sanftesten ist, und bleiben Sie draußen an der frischen Luft. Richten Sie den Blick auf den Horizont oder einen festen Punkt an Land statt auf das Handy. Essen Sie vorher eine Kleinigkeit und trinken Sie immer wieder einen Schluck Wasser. Wenn Sie wissen, dass Sie leicht seekrank werden, lassen Sie sich vor der Reise in einer Apotheke beraten.

  • Etwas Winddichtes zum Überziehen, auch im Sommer, denn auf dem Wasser ist es immer kühler
  • Sonnencreme, Hut und Sonnenbrille, weil das Meer das Licht zurückwirft
  • Badesachen und ein kleines Handtuch, wenn die Fahrt einen Badestopp einschließt
  • Wasser und etwas zu essen, vor allem für längere Inselfahrten
  • Ein Trockenbeutel oder eine einfache Plastiktüte, damit das Handy vor der Gischt sicher ist

Woran Sie eine gute Bootstour erkennen

Öffentliche Fähren sind unkompliziert, organisierte Touren dagegen sehr unterschiedlich, und ein paar Fragen helfen bei der Wahl. Wie groß ist das Boot, und wie viele Menschen sind an Bord? Kleinere Boote wirken persönlicher und können in flache Buchten hineingleiten, größere liegen bei Seegang ruhiger. Wie viel Zeit verbringen Sie an Land oder beim Baden, und wie viel mit bloßem Fahren? Ein Halbtagesausflug mit einer Stunde auf einer Insel ist ein ganz anderes Erlebnis als drei Stunden auf See.

Klären Sie, ob es an Deck Schatten gibt, ob Getränke inbegriffen sind oder Sie eigene mitbringen sollten und was geschieht, wenn das Wetter umschlägt. Gut organisierte Touren werden verschoben, wenn der Wind zu stark ist, und das ist ein gutes Zeichen, keine Enttäuschung. Achten Sie eher auf die Route als auf die Fotos, und fragen Sie, ob das Boot für ein Bad stoppt.

Wörter in diesem Artikel

Landungsbrücken
Die historischen Anlegebrücken im Hamburger Stadtteil St. Pauli, an denen viele Hafenfähren und Ausflugsboote ablegen.
Schärengarten
Eine Inselgruppe aus zahllosen Felsinseln, den Schären; der Stockholmer reicht weit in die Ostsee hinaus.
Seewind
Ein Wind, der vom Meer zum Land weht und meist am Nachmittag auffrischt, wenn sich das Land erwärmt.
Torrent de Pareis
Eine Schlucht im Tramuntana-Gebirge auf Mallorca, die in der Bucht von Sa Calobra auf das Meer trifft.

Häufige Fragen

Muss man die Hamburger Hafenfähren im Voraus buchen?

Nein. Die Hafenfähren gehören zum öffentlichen Nahverkehr in Hamburg, Sie steigen also einfach mit einem gültigen Ticket ein, genau wie in Bus oder Bahn. Die Linie 62 ab den St. Pauli Landungsbrücken ist der Klassiker für Besichtigungen. An sonnigen Wochenendnachmittagen kann es voll werden, an einem Werktagvormittag haben Sie meist mehr Platz an der Reling und eine ruhigere Überfahrt.

Lässt sich Cabrera von Mallorca aus als Tagesausflug besuchen?

Ja. Boote fahren von Colònia de Sant Jordi im Süden Mallorcas zum Cabrera-Archipel, und viele Fahrten schließen Zeit an Land ein und, wenn das Meer es zulässt, ein Bad an der Blauen Grotte. Da Cabrera ein Nationalpark ist, dürfen nur zugelassene Boote anlegen, und die Zahl der Besucher pro Tag ist begrenzt. Buchen Sie im Sommer daher rechtzeitig und prüfen Sie am Tag selbst die Bedingungen.

Was hilft, wenn man leicht seekrank wird?

Wählen Sie eine Abfahrt am Vormittag, wenn das Meer oft ruhiger ist, und ein größeres, stabileres Boot. Setzen Sie sich in die Mitte, bleiben Sie an der frischen Luft und schauen Sie auf den Horizont statt auf einen Bildschirm. Vielen bekommt eine leichte Mahlzeit vorher gut. Wenn Sie wissen, dass Sie zu Seekrankheit neigen, lassen Sie sich vor der Reise in einer Apotheke beraten, und beginnen Sie mit einer kurzen Hafenüberfahrt.

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