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Ein großes Thermalfreibad mit einem gelben neobarocken Gebäude rund um ein dampfendes Becken in der winterlichen DämmerungAI generated

Bäder & Thermen

Thermalwasser in Europa: von Budapest bis Baden-Baden

Elf historische Kurstädte teilen sich einen Welterbetitel, und in Budapest badet man seit Jahrhunderten in warmen Quellen. Wie Sie einen Thermaltag in eine Städtereise einbauen.

5 Min. Lesezeit24. Oktober 2026

Wenige Reisefreuden sind so einfach wie warmes Wasser unter offenem Himmel. Überall in Europa sind ganze Städte um natürliche Quellen herum gewachsen, und ihre Kolonnaden, Trinkhallen und prächtigen Badehallen prägen bis heute jeden Ausflug dorthin. Um sie zu genießen, brauchen Sie keine Woche voller Anwendungen. Eine Städtereise mit einem langen, gemächlichen Nachmittag im reicht oft, um mit dem Gefühl heimzukehren, wirklich weg gewesen zu sein.

Elf Städte, ein Welterbetitel

Im Juli 2021 nahm die UNESCO die Stätte „Bedeutende Kurstädte Europas“ in ihre Welterbeliste auf. Der Eintrag ist ungewöhnlich, weil er elf Städte in sieben Ländern umfasst, die sich alle um Mineralquellen entwickelten und zwischen dem frühen 18. Jahrhundert und den 1930er-Jahren als mondäne Badeorte blühten. Was sie verbindet, ist eine gemeinsame Architektur der Muße: Gesellschaftssäle und Trinkhallen, Parks zum Flanieren, Theater, Kasinos und Villen für die Sommergäste.

  • Österreich: Baden bei Wien
  • Belgien: Spa
  • Tschechien: Františkovy Lázně (Franzensbad), Karlovy Vary (Karlsbad) und Mariánské Lázně (Marienbad)
  • Frankreich: Vichy
  • Deutschland: Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen
  • Italien: Montecatini Terme
  • Vereinigtes Königreich: Bath

Das kleine belgische Städtchen Spa gab dem englischen Wort für einen Badeort seinen Namen. In den tschechischen Kurorten flanieren die Gäste noch heute mit kleinen Porzellanbechern unter eleganten Kolonnaden und trinken dabei als Teil eines gemächlichen täglichen Rituals Mineralwasser aus den Quellen. Bath, schon für sich allein eine Welterbestadt, steuert die honigfarbenen, halbmondförmigen Häuserzeilen der georgianischen Zeit bei.

Die meisten der elf sind kleine Städte, die sich gut zu Fuß erkunden lassen. Ihr Reiz liegt ebenso in der Umgebung wie im Wasser: schattige Promenaden, verzierte Pavillons über den Quellen und oft bewaldete Hügel mit Wegen, die schon vor langer Zeit für die Gäste angelegt wurden. Ein oder zwei Nächte in einer von ihnen, verbunden mit einer nahe gelegenen Großstadt, ergeben eine sanfte und lohnende Kurzreise.

Budapest und die Donau mit der Margaretenbrücke von oben im warmen Herbstlicht
Budapest und die Donau mit der Margaretenbrücke von oben im warmen Herbstlicht

Budapest, eine Hauptstadt der Thermalbäder

Budapest liegt über einer großen Zahl warmer Quellen, und das Baden prägt das Leben der Stadt seit Jahrhunderten. Die osmanische Zeit des 16. Jahrhunderts hinterließ Kuppelbäder, in denen Licht durch kleine Öffnungen im Dach auf ein achteckiges Becken fällt, wunderbar stimmungsvolle Orte, um still in der Wärme zu sitzen.

Am bekanntesten ist das Széchenyi-Bad im Stadtwäldchen. Der gelbe Bau, 1913 im neobarocken Stil vollendet, umschließt große Außenbecken, die das ganze Jahr über geöffnet sind. Im Winter steigt Dampf in die kalte Luft, während Stammgäste brusttief im warmen Wasser auf schwimmenden Brettern Schach spielen. Drinnen laden mehrere kleinere Becken mit unterschiedlichen Temperaturen dazu ein, langsam von einem zum nächsten zu wechseln.

Auf der Budaer Seite wird das Jugendstilbad am Fuß des Gellértbergs derzeit aufwendig restauriert und soll in einigen Jahren wieder öffnen, prüfen Sie also den aktuellen Stand, bevor Sie es fest einplanen. Die Stadt hat mehrere weitere historische Bäder, sodass sich ein Thermalnachmittag zu jeder Jahreszeit leicht einrichten lässt.

Baden-Baden und das römische Erbe

Die Römer badeten leidenschaftlich gern, und mehrere der heutigen Kurstädte begannen als römische Siedlungen. In Bath zeigt das Museum der Roman Baths den Tempel und die Badeanlage von , wo die Römer eine örtliche Göttin verehrten, die sie mit Minerva gleichsetzten. Noch immer zieht Dampf über das grüne Wasser des großen Beckens, gebadet wird heute allerdings in modernen Anlagen ganz in der Nähe.

Baden-Baden am Rand des Schwarzwalds erzählt eine ähnliche Geschichte. Reste römischer Bäder, die bei Bauarbeiten im 19. Jahrhundert zum Vorschein kamen, lassen sich in der Altstadt besichtigen. Darüber steht ein Badepalast, der 1877 eröffnet wurde und in dem die Gäste einer festen Abfolge aus Warmluft, Heißluft, Dampf und Becken mit sinkender Temperatur folgen, weitgehend schweigend und ohne Badekleidung. Gleich nebenan bietet eine moderne Thermenanlage mit Innen- und Außenbecken einen entspannteren Tag.

Zwischen den Badegängen lädt die Lichtentaler Allee, eine lange Parkallee an der kleinen Oos, zu einem gemächlichen Spaziergang unter alten Bäumen ein.

Baderegeln und was Sie einpacken sollten

Jede Badekultur hat ihre eigenen Regeln, und wer sie kennt, erlebt den ersten Besuch viel entspannter. In Budapest und in den meisten Thermalbädern mit Schwimmbecken ist Badekleidung üblich. Im deutschsprachigen Raum sind Saunabereiche meist , manche traditionellen Badehäuser ebenfalls, lesen Sie also vorher die Hausordnung. In Sportbecken wird oft eine Badekappe verlangt, und viele Bäder verkaufen Eintrittskarten für eine feste Dauer, etwa zwei, drei oder vier Stunden.

  • Badekleidung, dazu eine Badekappe, wenn Sie Bahnen schwimmen möchten
  • Badelatschen oder Badesandalen für nasse Böden
  • Ein Bademantel und zwei Handtücher, sofern kein Verleih inbegriffen ist
  • Eine Wasserflasche, denn warmes Wasser und Dampf machen durstig
  • Ein Buch für die Ruheräume, in denen Stille die Regel ist

Städtereise und Thermaltag verbinden

Am einfachsten genießen Sie Thermalwasser auf einer Kurzreise, wenn Sie es als einen Teil des Aufenthalts betrachten und nicht als dessen ganzen Zweck. In Budapest liegen die Bäder mitten in der Stadt, Sie können also den Vormittag an den Donauufern verbringen und den Nachmittag im Wasser. Baden bei Wien erreichen Sie bequem mit der Lokalbahn aus dem Wiener Zentrum, und Bath ist von London aus ein schöner Tagesausflug mit dem Zug. Im Winter gehört ein Thermalaußenbecken an einem frostigen Morgen zu den großen Freuden einer europäischen Städtereise; im Sommer gehen Sie am besten früh, bevor der Tag sich aufheizt.

Planen Sie den Thermaltag in der Mitte der Reise ein, nicht am Abend vor dem Heimflug. Lassen Sie nach dem Baden ein paar Stunden für ein gemächliches Mittagessen oder einen Spaziergang durch die Kurgärten, und widerstehen Sie der Versuchung, den Rest des Tages zu füllen. Ein Thermalnachmittag fühlt sich am schönsten an, wenn danach nichts mehr auf Sie wartet.

Ein Thermalnachmittag fühlt sich am schönsten an, wenn danach nichts mehr auf Sie wartet.

Wörter in diesem Artikel

Kolonnade
Ein überdachter Säulengang; in tschechischen Kurorten schützen Kolonnaden die Quellen und den täglichen Spaziergang.
Aquae Sulis
Der römische Name von Bath, „die Wasser der Sulis“, einer örtlichen Göttin, die mit Minerva gleichgesetzt wurde.
Textilfrei
Ein Bade- oder Saunabereich, in dem keine Badekleidung getragen wird, im deutschsprachigen Raum weit verbreitet.
Thermalwasser
Wasser, das auf natürliche Weise warm aus unterirdischen Quellen aufsteigt.

Häufige Fragen

Muss man ein Thermalbad im Voraus buchen?

Bei den großen, berühmten Bädern spart ein vorab online gekauftes Ticket oft Zeit am Eingang, besonders an Wochenenden und Feiertagen. Kleinere Bäder lassen sich meist problemlos spontan besuchen. Viele Häuser verkaufen Tickets für eine feste Stundenzahl, überlegen Sie also vorher, wie lange Sie bleiben möchten, und kommen Sie früh, um die Zeit gut zu nutzen.

Trägt man in europäischen Thermalbädern Badekleidung?

In Budapest und in den meisten Thermalbädern mit Schwimmbecken in ganz Europa ist Badekleidung üblich, und in Sportbecken wird oft eine Badekappe verlangt. Im deutschsprachigen Raum sind Saunabereiche meist textilfrei, manche traditionellen Badehäuser ebenfalls. Die Hausordnung hängt in der Regel gut sichtbar aus, und ein kurzer Blick darauf vor dem Besuch erspart jede Unsicherheit.

Welche Kurstadt eignet sich für eine erste Städtereise mit Thermalbad?

Budapest ist der leichteste Einstieg, weil seine Bäder zu einer großen, lebendigen Hauptstadt mit viel Sehenswertem zwischen den Badegängen gehören. Wenn Sie es ruhiger mögen, verbindet Baden-Baden elegante Badehäuser mit einer Parkallee und dem nahen Schwarzwald, während Bath römische Geschichte und georgianische Architektur mit modernem Thermalbaden vereint.

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